GEHEIMNISVOLLE TIEFE

Laurent Ballestas Fotos zeigen das Mittelmeer von einer ganz neuen Seite. Wir haben mit ihm über seine Leidenschaft und seine Expedition gesprochen.

 

Laurent, du hast Meeresbiologe studiert, bist inzwischen aber auch Unterwasserfotograf. Wie kam es dazu?

Mich hat es immer frustriert, dass man als Wissenschaftler nur sehr wenig Zeit unter Wasser verbringen kann. Ein Botaniker streift wochenlang durch die Wälder. Aber wir sind froh, wenn wir eine Stunde pro Tag tauchen können. Wenn ich fotografiere, kann ich meinen Tauchgang verlängern - wenn ich mir später die Fotos anschaue, kann ich hineinzoomen und Dinge erkennen, die mir beim Tauchen entgangen sind.

 

Deine Fotos zeigen Orte und Lebewesen, die viele Menschen nie live erleben werden. Möchtest du die Schönheit dieser bedrohten Welt bekannter machen?

Ehrlich gesagt möchte ich in erster Linie etwas tun, das mir Spaß macht. Trotzdem hoffe ich, dass ich mit meiner Arbeit ein Bewusstsein für diese Orte schaffe: Schaut her, Leute, das gibt es dort unten alles. Jetzt könnt ihr nicht mehr sagen, ihr hättet es nicht gewusst. Aber ich bezweifle, dass schöne Bilder allein bewirken können, dass Menschen ihr Verhalten ändern.

 

Warum?

Schönheit ist etwas, das sehr schnell seinen Reiz verliert. Früher dachte man, es würde reichen, die Schönheit des Ozeans zu zeigen, damit die Menschen ihn lieben und respektieren. Aber dieser Gedanke erscheint mir ein bisschen zu naiv.
 

 

 

Das Einzige, was unsere Aufmerksamkeit fesseln kann, ist das Unbekannte. 

Laurent Ballesta




Was treibt dich stattdessen an, die Unterwasserwelt mit all ihren Facetten immer wieder aufs Neue zu erkunden? 

Ich glaube, das Einzige, was unsere Aufmerksamkeit fesseln kann, ist das Unbekannte. Ein Rätsel. Es kann schön sein, aber es muss vor allen Dingen neu sein. Bei meinen Expeditionen sind mir daher drei Punkte wichtig: Ich möchte eine wissenschaftliche Studie voranbringen, das Tauchen muss eine Herausforderung sein und ich will etwas fotografieren, was man noch nie zuvor gesehen hat. Von 90 Prozent aller Lebewesen wissen wir nur, dass sie existieren. Ich will unbedingt mehr über ihre Verhaltensweisen herausfinden: Was fressen sie? Wie paaren sie sich? Wie leben sie?

 

Um das zu erreichen, hast du dich 28 Tage lang extrem eingeschränkt. War es dir jemals zu eng in eurer Tauchkapsel?

Wenn man solche Tauchgänge macht, dann ist man hinterher so unfassbar müde, dass es einen gar nicht stört, dass man keinen Platz hat. Man will nur noch essen und schlafen. 

 

Die Kälte da unten beißt nicht, sie ist wie ein Gift.

Laurent Ballesta   

 

Was war das Unangenehmste auf eurer Expedition?

Die Kälte. Dabei war es mit 14 Grad nicht wirklich kalt. In der Antarktis bin ich auch schon bei Minus 1,8 Grad getaucht, und trotzdem haben wir im Mittelmehr mehr gefroren. Das lag an den hohen Druckverhältnisse unter Wasser. Temperatur und Druck hängen unmittelbar zusammen, das ist etwas, was man an Land leicht vergisst. Außerdem haben wir ein Gasgemisch mit einem extrem hohen Heliumanteil eingeatmet. Das bewirkt, dass man von innen heraus friert. Die Kälte da unten beißt einen nicht, sie ist wie ein Gift. Mit jedem Ausatmen verliert man ein bisschen Wärme. Gerade am Anfang war das hart, aber wenn ich das Geld und die Überzeugungskraft gehabt hätte – ich hätte alle überredet, noch eine Woche dran zu hängen!

 

Vielen Dank für das Interview! 


 


Zur Person: 

LAURENT BALLESTA

Schon als Kind träumte Laurent Ballesta von einem abenteuerlichen Leben. Sein Vorbild war der große Jacques Cousteau, ein Pionier der Ozeanforschung - und Unterwasserfilmemacher der ersten Stunde. Dieser Traum sollte sich erfüllen. Heute ist Laurent Ballesta nicht nur Meeresbiologe, sondern auch einer der renommiertesten Tierfotografen der Welt. Auf seinen zahlreichen Expeditionen (darunter 4 GOMBESSA-Expeditionen) sind drei ihm Punkte besonders wichtig: Er möchte eine wissenschaftliche Studie voranbringen, das Tauchen muss eine Herausforderung sein und er möchte etwas fotografieren, das man noch nie zuvor gesehen hat.  

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